„Im Wald der stummen Schreie“ von Jean-Christophe Grangé – Nur nicht nachdenken…

Buch: Im Wald der stummen Schreie

Autor: Jean Christophe Grangé

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 541 Seiten

Der Autor: Jean-Christophe Grangé, Jahrgang 1961, ist ein französischer Schriftsteller und freier Journalist. Er hat bereits 10 Romane veröffentlicht, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Mehrere wurden auch verfilmt, am bekanntesten dürfte „Die purpurnen Flüsse“ sein.

Das Buch: Jeanne Korowa, Mitte 30, ist Ermittlungsrichterin in Frankreich. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen, ihres rasanten beruflichen Aufstiegs liegt bei Jeanne im privaten Bereich einiges im Argen. Jeanne ist vollkommen unfreiwillig Single, nachdem sich Thomas, ihre letzte Liebschaft, von dem sie sich bereits mehrfach getrennt hatte, einfach nicht mehr meldet.

Beruflich sind bei Jeanne in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Aber die Fälle, wegen der sie Ermittlungsrichterin geworden ist, werden immer an männliche Kollegen vergeben. Jeanne aber möchte eigentlich die richtig bösen Jungs fangen, Gewalttäter jeder Art etc.
Als ihr Kollege Taine ihr anbietet, ihn bei seinen Ermittlungen zu einem Ritualmord zu begleiten, sagt Jeanne deshalb begeistert zu. Am Tatort bietet sich ihnen ein grauenhaftes Bild. Eine junge Frau wurde auf blutigste Art und Weise getötet und zerteilt. Die Spuren deuten auf einen Täter hin, der sich nackt und auf allen vieren bewegt…

Kurz darauf folgen die Opfer Nr. 2 und 3. Die Vorgehensweise ist gleich, zwischen den Opfern scheint es aber keinerlei Verbindungen zu geben. Dann erhält Jeanne abends einen Anruf von Taine, er habe endlich den Zusammenhang gefunden, sagt er, und sie möge schnell herkommen. Als sie an seiner Wohnung ankommt, steht diese aber in Flammen und Taine kommt bei dem Brand um. Jeanne, die offiziell in diesem Fall gar nicht ermitteln darf, sieht sich gezwungen, alleine weiter zu machen, um dem Mörder das Handwerk zu legen. Ihr Weg führt sie dabei bis in den argentinischen „Wald der Seelen“…

Fazit: Ich habe in der Zusammenfassung des Buches bereits vieles weg gelassen, denn würde ich näher ins Detail gehen, hätte ich schnell das ganze Buch erzählt…“Im Wald der stummen Schreie“ ist meine erste Erfahrung mit den Werken von Grangé, auch die Verfilmung von „Die purpurnen Flüsse“ verpasse ich regelmäßig. Ich denke, es wird auf längere Sicht auch die letzte bleiben.Zuviel an diesem Roman ist mir sauer aufgestoßen.

Die Hauptfigur Jeanne Korowa ist zickig, desillusioniert und voll bis obenhin mit Antidepressiva. Aber ich mag sie! Als sie sich zu Beginn des Buches mit einem Fall von Waffenschmuggel beschäftigen muss, der inhaltlich übrigens viiiel spannender gewesen wäre, als die wirkliche Geschichte, habe ich schon zaghaft auf eine Verfilmung gehofft. Vielleicht mit Audrey Fleurot („Ziemlich beste Freunde“) in der Hauptrolle. Das würde von der Beschreibung her passen und, ja zugegeben, das hätte dem Rezensenten wohl gefallen, aaaaaber:

Dann beschäftigt sich die Gute eben leider nur noch mit der Mordermittlung und legt dabei eine Eiseskälte an den Tatorten an den Tag, die ich schwer nachvollziehen kann. Gut, sie ist Ermittlungsrichterin und hat wahrscheinlich schon viel Schlimmes gesehen. Aber wenn ein Mörder ein Opfer zerlegt, um es dann zu einer Art „Homo Tetris“ wieder zusammen zu setzen, dann ist das wahrscheinlich mehr, als die meisten ertragen können. Jeanne Korowa wird einmal kurz schwindelig, das war´s.

Auch bei ihren weiteren Ermittlungen begegnet sie immer wieder Mord und Totschlag und Leichen. Während Indiana Jones sich schon weinend in Fötushaltung in einer Zimmerecke verkrochen hätte, marschiert Jeanne durch alle Unbill des Schicksal wie weiland Milla Jovovich durch „Resident Evil“. Nur ohne Zombies und Waffen. Naja, fast…

Im Bereich der Handlung hat sich Grangé wirklich viel einfallen lassen. Man erfährt Wissenswertes über Autismus, die Bücher von Freud, Anthropologie, die Geschichte Nicaraguas und Argentiniens usw… Falls jetzt jemand argumentieren sollte, dass es zwischen diesen Themen doch gar keinen Zusammenhang gibt – Grangé findet einen… Dabei bleibt es dann nicht aus, dass sich die eine oder andere Logikfrage stellt oder einige Passagen wirklich arg konstruiert erscheinen. „Da stapft die durch den südamerikanischen Dschungel, meilenweit niemand, aber sie trifft zufällig jemand, der ihr weiterhelfen kann, der zufällig auch genau an diesem Tag an dieser Stelle ist…“ So etwas ging mir öfter durch den Kopf…

Das Ganze gipfelt dann in einem ziemlich skurrilen Showdown und auch wenn ich über die Wendung hinsichtlich des Täters am Ende des Buches durchaus überrascht war, so reißt das in der Gesamtheit nichts raus.

Letztlich möchte ich noch festhalten, dass mir das Buch auch schlichtweg zu blutig ist. Ich möchte nichts über ausgeweidete Leichen lesen, deren Blut man trinkt und denen man die Gliedmaßen abtrennt; das alles im romantischen Licht des in Brand gesteckten Fetts der Bauchlappen!!! Ihr versteht… Ich finde, das muss halt nicht sein. Ein bekannter Cartoonist hat mal sinngemäß gesagt: „Kein Gag wird besser durch HD!“, und kein Buch wird besser dadurch, dass man die Opfer möglichst spektakulär ins Jenseits befördert!

Fazit: 6 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: „Dark Places“ von Gyllian Flynn („Gone Girl“). Hübsche Autorin! Hübsches Buch? Wir werden sehen…

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