„Hotline“ von Jutta Maria Herrmann – Bei Anruf Mord

Buch: Hotline

Autorin: Jutta Maria Herrmann

Verlag: Knaur

Ausgabe: Taschenbuch, 331 Seiten

Die Autorin: Die gebürtige Saarländerin Jutta Maria Herrmann zog nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin in den 80ern nach Berlin und studierte dort Germanistik und Filmwissenschaften. Nach Tätigkeiten als Buchhändlerin, Putzfrau, Sekretärin, Synchrondrehbuch-Autorin und Veranstalterin von Punk-Konzerten ist Jutta Maria Herrmann derzeit bei einer Tageszeitung als Redaktionsassistentin beschäftigt. Sie lebt vor den Toren Berlins und ist mit dem Schriftsteller Thomas Nommensen verheiratet. „Hotline“ ist ihr erster Psychothriller.

Das Buch: Chris hat eine Geschäftsidee: Zusammen mit seinen Freunden Rick, Konrad und dessen Freundin Paula ruft er die sogenannte „Beicht-Hotline“ ins Leben, eine Art Telefonseelsorge. Dort kann jeder anrufen und sich von der Seele reden, was immer ihn belastet. Egal, ob es sich um Einsamkeit, Streit mit dem Nachbarn oder ein begangenes Verbechen handelt. Sollte Letzteres der Fall sein, gilt bei der „Beicht-Hotline“ die Maxime: „Keine Polizei – never ever!“. Denn wenn jemand ein Verbrechen gesteht, so ist es ja schon passiert und es ist die Aufgabe der Polizei, es aufzuklären, jedoch nicht die Aufgabe der „Beicht-Hotline“. So sieht es jedenfalls Chris…

Bald darauf jedoch nimmt Rick den Anruf einer jungen Frau entgegen. Sie kündigt im Gespräch an, ein Kleinkind auf einem nahegelegenen Friedhof zu begraben. Ein lebendiges Kleinkind! Rick kümmert sich nicht mehr um die Maxime der Hotline und verständigt die Polizei. Da die Beamten aber nichts tun können, wird Rick selber tätig. Zusammen mit Paula sucht er auf dem Friedhof nach der Frau. Letztlich stellt sich jedoch heraus, dass sie nur eine lebensgroße Puppe begraben hat. Alle halten den Anruf für einen makaberen Scherz und die Anruferin für eine ziemlich schräge Spinnerin.

Kurze Zeit später allerdings ruft diese schräge Spinnerin erneut an und verkündet, dass das nur der Anfang gewesen sei und es jetzt erst richtig losgehe, denn: „Jemand von Ihnen hat Schuld auf sich geladen. Schwere Schuld. Und dafür müssen Sie jetzt alle büßen…“

Fazit: Also, ich würde ja fürchterlich gerne einen erneuten launigen Verriss über ein Buch schreiben, dass mir meilenweit sonstwo vorbei geht, aber das geht in diesem Fall nicht! Das Erstlingswerk von Frau Herrmann ist nämlich ganz anständig gelungen!

Jutta Maria Herrmann nimmt sich Zeit für ihre Hauptfiguren und deren Schicksal. Sie könnte vermutlich jede x-beliebige Frage über Chris, Rick, Konrad und Paula beantworten, während andere Autoren ja nicht mal die Namen ihrer Protagonisten kennen. 😉 Alle vier kommen ausgesprochen symphatisch und glaubwürdig rüber. Dabei fällt auf, dass bei allen irgendetwas im Argen liegt: Chris hat einen drogensüchtigen Bruder, Ricks Schwester ist vor Jahren spurlos verschwunden, seine Mutter driftet geistig immer mehr ab und verliert den Bezug zur Realität, Konrad muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass seine Mutter mit Mitte 40 nochmal schwanger geworden ist usw.! Das alles erschien mir in dieser Häufigkeit erst irgendwie übertrieben, aber, nee, eigentlich nicht, es hat ja tatsächlich fast jeder so sein Päckchen zu tragen. In jedem Fall ist es eine ziemlich beachtliche Leistung, auf gerade mal 331 Seiten so genau auf seine Charaktere einzugehen, ohne dabei die Haupthandlung aus den Augen zu verlieren.

Auch unhaltlich ist „Hotline“ recht solide. Zwar steht für den aufmerksamen Leser relativ schnell fest, wer denn nun die geheimnisvolle Anruferin ist, die für die Unruhe sorgt. Und auch das „Warum“ ist nach einiger Zeit mehr oder weniger geklärt. Dennoch ist die Autorin in der Lage, mich am Ende des Buches doch nochmal zu überraschen. Und nirgendwo in einem Buch sind Überraschungen so gut aufgehoben wie am Ende!

Insgesamt kommt die Handlung zwar nicht an Genre-Größen wie Sebastian Fitzek heran, aber ein kurzweiliges, unterhaltsames Buch ist „Hotline“ allemal! Umso mehr, da es Herrmanns erstes Buch ist!

Wertung: 7 von 10 möglichen Punkten

Demnächst in diesem Blog: Ich habe mich mal entschieden, am Ende jeder Rezension anzukündigen, was als nächstes kommt. Nur, damit Ihr schon mal wisst, ob Ihr Euch drauf freuen könnt oder mich getrost ein paar Tage ignoriert, weil es Euch nicht interessiert. 😉

Also: Demächst gibt es an dieser Stelle aller Voraussicht nach „Im Wald der stummen Schreie“ von Jean-Christophe Grangé („Die purpurnen Flüsse“). Der Titel klingt doch schon mal gut!? Ihr dürft gespannt sein, ich bin es auch! 😉

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