„Spuren im Sumpf“ von Regine Mädje – Biederes Lokalkolorit

Buch: Spuren im Sumpf

Autorin: Regine Mädje

Verlag:CW Niemeyer

Ausgabe: Taschenbuch, 395 Seiten

Die Autorin: Regine Mädje, Jahrgang 1964, wurde in Berlin geboren, studierte Landschaftsplanung und arbeitete mehrere Jahre als Diplom-Ingenieurin. Nach ihrem Umzug nach Bückeburg und der Gründung einer Familie beschäftigte sie sich verstärkt mit dem Schreiben. „Spuren im Sumpf“ ist nach „Licht im Mausoleum“ ihr zweiter Roman.

Das Buch: Gianna Cordwitz wird tot in einem Tümpel auf einer Weide für Wasserbüffel aufgefunden. Die Bückeburger Polizisten Kai Müller und Fanny Reichert beginnen, unterstützt durch ihren Nienburger Chef Heinrich Weber, zu ermitteln. Ist Giannas Mann der Täter, dem sie offensichtlich Hörner aufgesetzt hat? (Achtung, Wortwitz: Wasserbüffel/Hörner! 😉 ) Oder ist der Mörder in Giannas Familie zu suchen, die ein dunkles Geheimnis verbirgt?

Fazit: Regionale Krimis gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Da gibt es gute Beispiele, wie die Krimis von Nané Lénard aus dem Weserbergland oder die genialen „Hinterm-Deich-Krimis“ aus Husum von Hannes Nygaard. (Übrigens, wieder Wortwitz: Sand am Meer/Hinterm-Deich-Krimis! Okay, ich lasse es sein…) Dem gegenüber gibt es aber leider auch solche Krimis, wie dieser von Regine Mädje:

Dieses Buch hat mich beim Lesen teilweise fürchterlich geärgert. Nicht, weil es so schlecht ist, das möchte ich ausdrücklich betonen, sondern weil es unheimlich viel Potenzial leichtfertig verschenkt, durch Schwächen im Schreibstil und in der äußeren Aufmachung. Die Handlung als solche kann man durchaus als gut durchdacht, in sich logisch und relativ spannend beschreiben. Die Schwächen setzen aber schon bei den Hauptfiguren ein. So sehr sich Mädje auch mit ihnen und ihrer Geschichte beschäftigt, teilweise mehr als mit der Haupthandlung, so bleiben sie ingesamt doch blass, relativ langweilig und irgendwie seltsam. Auch die Dialoge sind nicht wirklich die Stärke von Frau Mädje. Als anschauliches Beispiel dafür soll hier ein kurzer Dialog zwischen dem Polizisten Kai und seiner Freundin Amalia dienen. Sie arbeitet auf dem Auenhof und erzählt darüber.

Sie: „Beim Möhrenputzen haben die anderen mir erzählt, was alles in den letzten 20 Jahren auf dem Hof gestrandet ist: Ziegen, Schafe, Kaninchen, Katzen, Enten, ein Hund, ein Esel und ein Pferd.“

Er: „Auch ein Elefant?“

Sie lacht: „Würde man aufgrund der Größe wohl eher bei der Polizei abgeben.“

Er: „Und die ist nicht zuständig. So was Großes passt nicht durch unsere Eingangstür!“

Die beiden amüsieren sich darüber köstlich… Verständlich, denn: Was-für-ein-Brüller! 😉 Nee, jetzt mal im Ernst, vielleicht liegt es an meinem mangelnden Humor, aber zum Lachen ist dieser Dialog doch nur in einem skurrilen Jane-Austen-Schäfchenwolken-Universum von 1804, oder!? Ganz ehrlich, ich fand meine Billig-Gags zu Beginn dieser Rezension besser! Jedenfalls, in diesem Stil sind die Dialoge weitgehend gehalten. Vielleicht kann man darüber geteilter Meinung sein, mir gefällt das nicht.

Stil, Dialoge und Hauptfiguren sind nicht die einzigen Schwächen des Buches. So tauchen hier und da immer wieder mehr oder weniger seltsame Fehler auf:

Begleiten wir unser oben genanntes Pärchen noch ein wenig. Kurz nach diesem denkwürdigen Dialog streifen sie etwas durch die heimische Gemarkung und nähern sich dem Tatort. In der Nähe liegt jemand auf einem Feld flach auf dem Boden und wird von unseren zwei Hübschen aus einiger Entfernung erst für tot gehalten. Dann jedoch springt er auf und flüchtet. Was folgt ist der Satz: „Ganz schön lebendig, der vermeidliche Tote.“ Vermeidlich??? Wie „vermeidbar“??? Oder wie, oder was??? Nun, vermutlich meint Frau Mädje „vermeintlich“! Aber dann soll sie es doch auch schreiben. Und auch wenn der Verlag CW Niemeyer ein kleiner Verlag ist, so muss es doch auch dort einen Lektor geben, dem so etwas auffällt!!!

Schreiten wir in der Handlung voran: Kai ist bei der Vernehmung eines Verdächtigen. Dieser bedankt sich bei seinem Schwiegersohn für den bereitgestellten Kaffee und sagt: „Ich danke dir, Achim.“ Wenig Fehlerpotenzial eigentlich, oder!? Nun, besagter Achim heißt aber auf den vorhergehenden 118 sowie auf allen folgenden Seiten „Arnim“!!! Frau Mädje kennt die Namen ihrer eigenen Hauptfiguren nicht!!! Und auch hier wurde von ihr und dem Lektor im Duett gepennt.

Es geht aber noch weiter mit Kai und seiner Amalia. Die Beiden streiten sich, weil er zu viel arbeitet und sich niiiiiemals richtig um sie kümmert. Nein, wie schrecklich…! Als er zu Hause ankommt, steht der CD-Player auf einem Stuhl und auf Pause. Nach Drücken des Wiedergabeknopfes ertönt laut Frau Mädje das Lied „Muss erst noch kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko. Nettes Statement von unserer Amalia. Dennoch: Im Lied heißt es: …“nur“ noch kurz die Welt retten! „Nur“, Regine, nicht „erst“.

Und einen habe ich noch! Da wir gerade bei Bendzko sind. Kai führt ein Gespräch mit seiner Kollegin Fanny und selbige erwähnt ein anderes Lied von Bendzko, das da heißen soll: „Ich finde die Worte nicht“. Und spätestens da ist mir der Geduldsfaden gerissen. DAS LIED HEIßT „WENN WORTE MEINE SPRACHE WÄREN“, VERDAMMT NOCHMAL! HAST DU DAS BEGRIFFEN, MÄDJE!!!??? COMPRENDE???? UND SOWAS WEIß ICH, OHNE BENDZKO-EXPERTE ZU SEIN, MENSCH!!!!!

Entschuldigung, ich beruhige mich schon wieder…

Nun, auch wenn es sich bei den erwähnten Beispielen um Kleinigkeiten handeln mag, so haben sie meine Lesefreude doch erheblich getrübt.

Eigentlich ist Regine Mädje offensichtlich in der Lage, sich spannende Geschichten auszudenken. Sie muss sich nur jemanden suchen, der sie für sie aufschreibt…

Dass sie im Nachwort schreibt „Alles was an Fehlern im Roman auftaucht, geht auf meine Kappe. Meist dient es der inneren Logik und Spannung im Geschehen des Krimis. Ansonsten ist es der Zerstreutheit der Autorin geschuldet.“, hätte mich ja fast besänftigt. Aber eben nur fast.

Fazit: 5 von möglichen 10 Punkten. 4 für die Geschichte und einer weil ich so böse zu Frau Mädje bin.

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2 Kommentare zu „„Spuren im Sumpf“ von Regine Mädje – Biederes Lokalkolorit

    1. Schön, wenn es Dir gefallen hat, Kenia! Das mit dem Buch schreiben wurde mir schon häufig nahegelegt. Ich fürchte aber, ich kann besser ÜBER Bücher schreiben. 😉 Aber wer weiß, sollte mir doch einmal etwas einfallen worüber sich zu schreiben lohnt, lasse ich es Dich wissen!

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