„Adieu, Sir Merivel“ von Rose Tremain – Ja, genau, adieu…

Buch: Adieu, Sir Merivel

Autorin: Rose Tremain

Verlag: insel

Ausgabe, Taschenbuch, 446 Seiten

Die Autorin: Rose Tremain, Jahrgang 1943, ist eine englische Schriftstellerin. Sie hat bereits 15 Romane und Erzählungen sowie Hörspiele und Drehbücher geschrieben. Rose Tremain lebt in London und Norfolk.

Das Buch: Sir Robert Merivel, 57 Jahre alt, ist Arzt und Lebemann sowie Günstling des Königs Charles II. von England. Gemeinsam mit seiner Tochter Margaret, seinem alten Diener Will und mehreren Hausangestellten lebt Merivel in seinem Anwesen Bidnold. Merivel befindet sich in einer mittelschweren Lebenskrise, bringt kaum Energie für irgendetwas auf und denkt viel über den Tod nach. Um sich aus seiner düsteren Lethargie zu lösen, ringt er sich mit Hilfe seiner Tochter Margaret dazu durch, England für eine Weile zu verlassen, um nach Frankreich zu reisen. Dort, am Hofe des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles, möchte Merivel für einige Zeit als Arzt in den Diensten des französischen Königs tätig sein. Ausgerüstet mit einem Empfehlungsschreiben von Charles II. macht sich Merivel auf den Weg.

Die Dinge in Frankreich entwickeln sich allerdings anders als geplant, die gewünschte Anstellung kommt nicht zustande. Wenigstens lernt Sir Robert dort die attraktive Louise de Flamanille kennen…

Das Fazit: Nun, eigentlich bin ich ja selbst schuld. Im Gespräch mit der Buchhändlerin meines Vertrauens, meiner Meinung nach die Beste ihres Fachs, erwähnte ich, ich könne ja „mal wieder einen historischen Roman“ lesen, vorzugsweise „mit nicht soviel Mord und Totschlag“. Tja, und genau das habe ich bekommen, „Die ich rief, die Geister, Werd´ ich nun nicht los…“ (Mir war gerade nach Goethe)

Wenn man Rosamunde-Pilcher-Bücher mit Fahrstuhlmusik und der Zeitansage kreuzt, dann kommt ungefähr „Adieu, Sir Merivel“ dabei heraus. Eigentlich ist das Buch gar nicht so schlecht, es ist eben nur erschreckend unaufregend. Wer es ein wenig mit dem Kreislauf hat, für den ist das genau die richtige Lektüre.

Dabei passiert wirklich viel: Sir Robert Merivel reist nach Paris, muss dort in Ermangelung einer angemessenen Unterkunft in einer Dachkammer in Versailles logieren und sich den wenigen Platz mit einem holländischen Uhrmacher teilen. Zum König wird er dennoch nicht vorgelassen… Dafür lernt er Louise de Flamanville kennen und wohnt einige Zeit bei ihr. Leider ist die Gute verheiratet. Als ihr Mann zurück kommt, naht der Abschied. Dennoch verabredet man sich zu einem Treffen in der Schweiz für den nächsten Sommer, den Louise dort bei ihrem Vater verbringen möchte.

Wieder in England angekommen, muss sich Merivel jedoch erstmal um seine an Typhus erkrankte Tochter kümmern, wochenlang. Dann kommt der König zu Besuch nach Bidnold und… na, und so weiter halt.

Dauernd passiert irgendwas, spannend ist das alles aber leider nicht wirklich.

Auch die Hauptfigur, Sir Robert Merivel, ist eigentlich gut gestaltet. Ein Mann Ende 50, der sich so langsam fragt, was er in seinem Leben eigentlich wirklich Vernünftiges vollbracht hat und der sich Gedanken über sein baldiges Ableben macht. Ein Mann voller Lethargie, der dazu neigt, Probleme auszusitzen. Auf der anderen Seite aber auch ein Mann, der in der Lage ist, den König immer gut zu unterhalten und zum lachen zu bringen. Gut, er ist schließlich auch finanziell von ihm abhängig, und wird sich schon allein deswegen dementsprechend bemühen… Jedenfalls, insgesamt ist Rose Tremain mit Merivel wirklich eine gute, symphatische, glaubwürdige Hauptfigur gelungen.

Auch der Stil des Buches ist eigentlich sehr schön. Insgesamt in einem leicht antiquierten Stil gehalten, der äußerst passend für das England des ausgehenden 17. Jahrhunderts daher kommt, pendelt das Buch sprachlich zwischen leicht gestelzt einerseits und recht derb auf der anderen Seite, je nachdem, in welchem Umfeld Merivel sich gerade aufhält. Ja, Rose Tremain kann durchaus schreiben.

Und eigentlich könnte ich bei dieser Rezension auch noch viel weiter in die Tiefe gehen, um auf der Deutungsebene das Verhältnis mehrerer Hauptfiguren zum Tod zu vergleichen oder das Abhängigkeitsverhältnis von Merivel zu seinem König mit dem Abhängigkeitsverhältnis der Angestellten auf Bidnold zu Merivel in Relation zu setzen – dazu habe ich aber schlicht keine Lust! Schließlich hatte R. Tremain auch keine Lust, einen spannenden Roman zu schreiben. Das hat sie jetzt davon! 😉

Tja, eine Rezension voller „eigentlich“ weil es eigentlich ein recht gutes Buch sein könnte, wenn es denn so etwas wie einen Spannungsbogen enthielte. Darüber hinaus hätte es sicherlich zum Verständnis des Buches beigetragen, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, dass es sich um die Fortsetzung des Romans „Zeit der Sinnlichkeit“ handelt, seinerzeit mit Robert Downey jr., Meg Ryan u.a. verfilmt, die Älteren werden sich erinnern. („Zeit der Sinnlichkeit“ – allein dieser Titel…brrr…) Nun, ich wusste es nicht! Aber dafür kann Rose Tremain gar nichts!

Ich weiß noch nicht genau, was ich ales Nächstes rezensieren werde, aber eines weiß ich: Es wird ein Buch sein, das ein wenig mehr „Action“ enthält…

Fazit: 6, 5 von 10 möglichen Punkten

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2 Kommentare zu „„Adieu, Sir Merivel“ von Rose Tremain – Ja, genau, adieu…

  1. Uff…ja was möchte man da wünschen? Gut das es vorbei ist?Danke für’s Durchhalten… jedenfalls mir bleibt das Buch erspart! Danke dafür 🙂
    GlG
    Katastropholi

    Gefällt mir

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