Gar nicht mal so gut – „Tödliches Rendezvous“ von Beate Maxian

Buch: „Tödliches Rendezvous“

Autorin: Beate Maxian

Verlag: Goldmann

Ausgabe: Taschenbuch, 316 Seiten

Die Autorin: Beate Maxian, geboren 1967, ist eine süddeutsche Autorin, die jetzt in Vöcklabruck in Österreich lebt. Sie hat bereits mehrere Kriminalromane veröffentlicht, dazu noch viele Kriminalerzählungen. Sie ist verheiratet mit dem Musiker Jeff, wer immer das sein möge, und verdient mit dem Schreiben tatsächlich unfassbarerweise Geld…

Das Buch: Sarah Pauli ist freie Mitarbeiterin bei einer Wiener Tageszeitung. Zu ihren Jobs gehört es, der Enthüllungsjournalistin Hilde Jahn zuzuarbeiten. Als Hilde Jahn ermordet aufgefunden wird, bekommt Sarah Pauli ihren Platz und versucht, die Geschichte, an der Jahn gearbeitet hat, zu entschlüsseln. Und gerät darauf bald selbst in das Visier des Täters…

Fazit: Zugegeben, es war wieder länger still in meinem Blog als ich das eigentlich wollte… Bedankt Euch bei Frau Maxian, die ist dafür mitverantwortlich! Ja, meine kurze Inhaltsangabe liest sich vielleicht ganz spannend. Und man hätte daraus vielleicht sogar ein recht spannendes Buch machen können…Hat man aber nicht. Ohne Frau Maxian zu nahe treten zu wollen, aber „Tödliches Rendezvous“ hatte den Charme einer 316-seitigen literarischen Wurzelbehandlung!!!! Warum? Nun…

…Es fängt mit der Hauptfigur an: Ja, Sarah Pauli hat ein hartes Schicksal: a) Ihre Eltern sind tot. Bei einem Verkehrsunfall gestorben. Und b) Ihr Bruder ist promiskuitiv. Möglicherweise wegen a), wer weiß das schon so genau?… Dennoch habe ich von Anfang an keinen Zugang zu dieser Person bekommen.

…Es geht mit den Gedankengängen und Beschreibungen dieser Person weiter. Kostproben? Gerne:

„Es war immer wieder erstaunlich, welch einwandfreien Ruf ihr Bruder genoss.Würde eine Frau das Gleiche tun wie er, wären Nutte und Schlampe wohl noch die harmlosesten Betitelungen. Das 21. Jahrhundert mochte draußen auf der Straße bereits angebrochen sein, aber wenn es um Moralvorstellungen ging, herrschte in den Köpfen mancher Menschen tiefstes Mittelalter.“ – Liebe Frau Maxian, das mag ja so sein, und das ist dann auch irgendwie tragisch, aber das wurde schon sooooo oft durchgekaut, dass Ihre erneute Verwendung dieses Themas sogar Alice Schwarzer schamhaft erröten liesse. Und das will bekanntlich etwas heißen…

Ein weiteres Beispiel: Sarah und ihr Chefredakteur unterhalten sich über Sarahs Hang zum Aberglauben:

Er: „Also doch eine Art Wissenschaft?“
Sie: „Wenn Du willst, nenne es Wissenschaft, ich nenne es mein Hobby!“

Er: „Faszinierend! Was ist mit Hexen und Dämonen?“

Sie: „Die sind natürlich aus unserem Weltbild verschwunden. Die Dämonen unserer Zeit tragen andere Masken. Umweltzerstörung, Fremdenhass, Radikalismus!“

Auch richtig, Frau Maxian! Aber BITTE, echt jetzt, geht´s vielleicht plakativer!? Der Zaunpfahl tut mir immer noch im Genick weh…

Und zu guter Letzt gipfelt das Ganze in der Feststellung:

„Wer weiß. wie viele Vergewaltigungen es noch geben würde, wenn es keine Huren gäbe?“

Nicht nur im Bereich der Hauptpersonen, sondern auch stilistisch neigt Frau Maxian nicht gerade dazu, ihre Leser zu überfordern. Teilweise liest sich das Ganze wie das Resultat des Beschlusses einer 14-jährigen, die sagt: „Och, ich schreib ma ´n Buch…!“

Und inhaltlich? Nun ja, es geht darum, dass jemand in Wien arbeitslose Frauen umbringt. Es geht auch um geheime Prostitution. Wesentlich spannender hätte es werden können, hätte man sich auf letzteres Thema beschränkt. Hat man aber nicht… Ich versuche das Ganze mal aufzudröseln: „SPOILER“  Also, Hilde Jahn arbeitet an einer Reportage und wird dabei von einem vermeintlichen Informanten getötet, der sich seinerseits damit beschäftigt, arbeitslose Frauen über 40 zu ermorden. Na, irgendein Hobby braucht der Mensch ja. Und Hilde Jahn war ihm auf der Schliche, störte also. Jedenfalls, die Polizei geht im Falle der mittlerweile 5 Toten teilweise von Selbstmord und/oder Unfällen aus. Und selbst nachdem der Mörder quasi gestanden hat: „Ja, ich hab die alle fünf umgebracht!“, erfährt man nicht, WIE. Ich meine, es gehört schon einiges dazu, jemanden so über die Wupper gehen zu lassen, dass die Polizei meint, es sei ein Verkehrsunfall. Ohne sich dabei selbst zu verletzen… Auch die Begründung, warum der Mörder diese Frauen umbringt, klingt skurril. Eigentlich zur Statistikverschönerung!!! Mehr nicht! Entschuldigung, sogar Hannibal Lecter hatte seinerzeit plausiblere Gründe…

Langer Rede kurzer Sinn: So sehr ich auch mit „Das Dorf der Mörder“ von Elisabeth Herrmann Spaß hatte, so sehr habe ich mich durch „Tödliches Rendezvous“ gequält. Und ich weiß jetzt halt DOCH wieder, warum ich selten deutsche Krimis lese. Also: Hände weg von diesem Machwerk, Ihr Liebhaber der qualitativ hochwertigen Literatur!!!

Wertung: 3 von möglichen 10 Punkten. Zwei, weil ich nett bin. Und einen, weil Frau Maxian in der Lage ist, fehlerfreie Sätze zu schreiben…

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5 Kommentare zu „Gar nicht mal so gut – „Tödliches Rendezvous“ von Beate Maxian

  1. *looool* Fraggle Deine Kommentare sind wirklich gold wert. Ich habe mich köstlich amüsiert. Das erinnert mich auch sehr an gute alte Zeiten *schnief*.
    Schönes Wochenende, auch für Dich Kata

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    1. Freut mich, wenn Dir die Rezension gefallen hat, Kenia! Ja, die guten alten Zeiten… Als man noch raten musste, was eine „HOSENRATTE“ ist! 😉 Oder die legendäre „BARTAGAME“! 😉 Bei dem Gedanken an Letztere kriege ich heute noch ´ne Krise! 😉 Wer weiß, vielleicht können wir diese Zeiten doch noch irgendwo und irgendwann reaktivieren!? Ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende und werde Deine Wünsche an Kata weiterleiten.

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      1. Hosenratte ? Da habe ich wohl gefehlt. AAAAAber niemals im Leben vergesse ich Heins Zorro. Gerade wo man den wegen der Trennung von der Griffith (die könnte ungeschminkt im Gruselfilm mitspielen. Wer operriert sowas ?) in der letzen Zeit doch häufiger sehen konnte. Ich hab teilweise laut gelacht.

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  2. Danke für die Rezension! Ich lese dich einfach gern!

    Um auf deutsche Autoren zurück zu kommen… Sebastian Fitzek und Arno Strobel muss man, zur Ehrentettung der deutschen Schriftstellerei, alledings unbedingt als positiv erwähnen. Susanne Mischke schreibt auch durchaus lesenswerte Literatur!

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    1. Danke für das Lob! Das lese ICH einfach gern! 😉

      Was Fitzek, Strobel und Mischke angeht, hast Du sicherlich recht. Es gibt ja durchaus auch gute deutsche Autoren, sehr viele sogar. Kai Meyer und Tanja Kinkel z. B. gehören zu meinen Lieblingsautoren. Dennoch: Was Frau Maxian da verbrochen hat, das geht mal so gar nicht! 😉

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