Abgründe tun sich auf – „Das Dorf der Mörder“ von Elisabeth Herrmann

Buch: „Das Dorf der Mörder“

Autor: Elisabeth Herrmann

Verlag: Weltbild

Ausgabe: Taschenbuch, 476 Seiten

Die Autorin: Elisabeth Herrmann, geboren 1959 in Marburg an der Lahn, ist Schriftstellerin sowie Drehbuch- und Hörspielautorin. Bereits mit ihrem ersten Roman „Das Kindermädchen“ aus dem Jahr 2005 gewann sie Auszeichnungen. Seitdem veröffentlichte Herrmann zwei historische Romane und mehrere Krimis, u. a. die mit Jan Josef Liefers verfilmte Reihe um den Berliner Anwalt Joachim Vernau. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Das Buch: Im Berliner Tierpark werden Leichenteile im Gehege der Pekaris gefunden. (Achtung, Information! Falls Ihr mal beim Jauch sitzt: Pekaris, auch Nabelschweine genannt, sind in Mittel- und Südamerika lebende Schweine. Eigentlich sind die ganz niedlich, verfügen aber über dolchartige Zähne, mit denen sie zu einem ernst zu nehmenden Gegner für ihre natürlichen Feinde, Jaguar und Puma, werden können). Die Streifenpolizistin Sanela Beara ist als erste vor Ort und befragt die Zeugen. So auch die in der Futtertierzucht arbeitende Charlotte Rubin, genannt Charlie. Nichts ahnend wird Sanela kurz darauf hinterrücks niedergeschlagen – von Charlotte Rubin. Rubin wird daraufhin festgenommen und legt auch im Hinblick auf die sterblichen Überreste im Pekari-Gehege ein Geständnis ab. Schon scheint der Fall abgeschlossen. Nur Sanela erscheint das alles viel zu einfach. Sie mag nicht so recht an Charlies Schuld glauben und stellt eigene Nachforschungen an.

Um die Zurechnungsfähigkeit von Charlie Rubin zu klären, wird sie zu regelmäßigen Terminen bei der Psychologie-Koryphäe Prof. Dr. Dr. Gabriel Brock gebracht. Er soll ein Gutachten für das Gericht erstellen. Charlie verweigert allerdings jegliche Zusammenarbeit, lediglich zu Jeremy Saaler, Diplom-Psychologe in der Facharztausbildung und bei Brock tätig, fasst sie ein gewisses Vertrauen.

Aufgrund einiger Äußerungen die Charlie im Gespräch macht,  versucht Saaler herauszufinden, was ihr in ihrer Kindheit auf einem Bauernhof im Dorf Wendisch Bruch zugestoßen ist. Und auch Sanela Beara führen ihre Ermittlungen nach Wendisch Bruch – dem „Dorf der Mörder“…

Fazit: Ich lese eigentlich relativ wenig deutsche Krimis. Nach Büchern wie diesem habe ich dafür aber mal überhaupt keine Argumente mehr. Vielleicht sollte ich meine Einstellung ändern.

Elisabeth Herrmann hat mit „Das Dorf der Mörder“ einen rundherum gelungenen Krimi geschrieben. Gerade nach dem Hauptfiguren-Desaster im zuletzt von mir rezensierten Buch waren mir die Polizistin Sanela Beara und der Psychologe Jeremy Saaler ausgesprochen sympathisch. Trotz der eher individuellen Namen. Gut, die erklären sich dadurch, dass Beara aus Kroatien stammt und Jeremys Vater heißt Jason, der Apfel fällt da nicht weit vom Stamm. Aber mal ehrlich: Jeremy!!! Na, Geschmackssache. Dennoch, beide Figuren sind gut beschrieben. Hier die übereifrige Polizistin, die immer mehr können will als alle anderen und sich für höhere Aufgaben geboren sieht (und die mich mit ihrer „Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Art“ zu Beginn des Buches schon fast anfing zu nerven), dort der angehende Arzt, der aber überhaupt noch nicht weiß, ob das alles wirklich das Richtige für ihn ist und der sich schwer tut, aus dem Schatten seines berühmten aber lieblosen Vaters zu treten.

Bei dieser Konstellation bietet sich an, bei der Erzählung der Geschichte oft zwischen den Einzelpersonen hin und her zu springen. Das tut Eisabeth Herrmann auch und das macht Spaß zu lesen. Immer wenn man denkt, man müsste dem Rätsel jetzt auf den folgenden ein, zwei Seiten bestimmt wieder ein Stück näher kommen, immer dann ist das Kapitel zu Ende und die Perspektive wechselt.

Nachdem ich der Autorin schon bei den Charakteren und dem Erzählstil kaum etwas vorwerfen kann, muss ich dann aber im Bereich der Handlung etwas gefunden haben, oder!? Na ja, ehrlich gesagt: Wenig! Die Geschichte hat mich durchaus gefesselt und auch wenn ich die eine oder andere Wendung der Handlung schon erahnt habe, tat das dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Lediglich zwei Dinge habe ich zu anzumerken. Nicht zu kritisieren, nur anzumerken:

Punkt 1: Der Mord im Tierpark ist schon wirklich grenzwertig widerlich! Nur zur Erläuterung: Der arme Mann wird mit Medikamenten betäubt, ist aber bei Bewusstsein. Er kann sich eben nur nicht bewegen oder gar wehren. Dann wird er im wahrsten Sinne des Wortes den mit Blut geköderten Pekaris zum Fraß vorgeworfen. Er hat bereits so anderthalb Gliedmaßen verloren, bevor er an einem Biss in die Kehle und letztlich am Blutverlust stirbt. Da stelle ich dann mal die Frage: Frau Herrmann, muss das denn sein? Hätte man den nicht einfach mit ´nem Trecker überfahren können, von mir aus mit ´nem Mähdrescher? Das hätte auch in den Kontext gepasst! Man muss es nicht immer übertreiben.

Und Punkt 2: Die zweite Hälfte des Buches würde ich mal als sehr „bedrückend“ beschreiben. So nach und nach stellt sich heraus, was damals in dem kleinen Ort Wendisch Bruch passiert ist. Und das ist nichts für zarte Gemüter, so rein psychologisch gesehen. Ich kann darauf leider nicht näher eingehen, ohne zu spoilern.

Generell kann ich jedem, der nicht ganz so zartbesaitet ist und mal wieder einen guten deutschen Krimi lesen möchte, dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Alle anderen, die nicht so viel vertragen, warten vielleicht lieber noch ein gutes halbes Jahr, bis die Tage wieder länger geworden sind, die Sonne wieder scheint und die Vögel wieder zwitschern und lesen es dann.

Wertung: 8,5 von 10 möglichen Punkten

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3 Kommentare zu „Abgründe tun sich auf – „Das Dorf der Mörder“ von Elisabeth Herrmann

  1. Na das hört sich ja gut an Fraggle. Das Buch merke ich mir und kaufe es nachdem ich dann endlich umgezogen bin. Danke für den Tipp. Was Bücher angeht bin ich ja nicht zart beseitet.

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    1. Hi, Kenia!

      Na, das freut mich, wenn ich etwas gefunden habe das Dir gefällt. Und wenn mich nicht alles täuscht: Ja, das dürfte tatsächlich etwas für Dich sein! Und teile mir bei Gelegenheit ruhig mit, wie es Dir gefallen hat!

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