Leichen pflastern seinen Weg – „Der Wille des Königs“ von Royce Buckingham

Buch: „Der Wille des Königs“

Autor: Royce Buckingham

Verlag: Blanvalet

Ausgabe: Broschiert, 573 Seiten

Der Autor: Royce Buckingham, Jahrgang 1966, ist studierter Jurist und mittlerweile als Autor tätig. Er lebt und arbeitet in Bellingham im US-Bundesstaat Washington. Nach einigen bislang nur auf englisch erschienenen Büchern gelang es Buckingham, mit dem Fantasy-Roman „Die Karte der Welt“ auch hierzulande einer breiteren Leserschaft bekannt zu werden. „Der Wille des Königs“ ist der Nachfolgeroman.

Das Buch: Das Land Artung wird von neun Klans beherrscht, die seit Jahren einen unerbittlichen, blutigen und verlustreichen Krieg gegeneinander führen. Daher bittet der Anführer („Drottin“) des Hügelkuppenklans, Kellen Krystal, den König des benachbarten Landes Fretwitt um Hilfe. König Schwarzwasser mobilisiert darufhin seine Truppen, marschiert in Artung ein, schlägt den nur halbherzigen Widerstand einzelner Klans nieder und sorgt für einen dauerhaften Frieden. Der einzige Nachteil: Die Klans, vorher frei und unabhängig, müssen ihm Gefolgschaft schwören und sind fortan seine Vasallen.

Nach der Befriedung Artungs dehnt König Schwarzwasser seinen Einflussbereich auch auf den jenseits des Meeres gelegenen Kontinent und das Land Abrogan aus. Dafür braucht er kräftige Männer, die als Soldaten, Bauarbeiter oder Handwerker den neuen Einflussbereich erschliessen sollen. Diese Männer fordert er auch vom Drottin des Hügelkuppenklans ein.

Kellen Krystal gehorcht und schickt ihm seine Söhne Dano, Ian und Kerr zusammen mit ca. 40 weiteren Kriegern. Ian wird von seinem Vater zum Drottin des Kontingents bestimmt. In Abrogan angekommen werden die Klanskrieger erstmal zu Straßenbauarbeiten herangezogen, relativ schnell jedoch zu einer kämpfenden Einheit befördert. In der Folge macht sich Ian Krystal bei der Bevölkerung Abrogans einen Namen, indem er versucht, durch Verhandlungen und nicht durch das Schwert zum Ziel zu kommen. Letztlich befördert ihn Bryss, der Neffe des Königs und in dessen Namen als Statthalter vor Ort eingesetzt, sogar zum Anführer eines der drei in Abrogan stationierten Truppenteile.

Alles könnte also gut sein für Ian Krystal und seinen Hügelkuppenklan, wäre da nicht König Schwarzwasser. Der nämlich kann sich mit dem Gedanken an einen „Wilden“ an der Spitze seiner Truppen ebenso wenig anfreunden wie mit Krystals Versuchen zur Konfliktvermeidung. Schwarzwasser plant nämlich nichts anderes als die Eroberung des gesamten Landes…

Fazit: Ja, ich gebe es ja zu: Ich mag das Fantasy-Genre. Deswegen ist das auch schon das dritte Buch aus diesem Genre, das ich in recht kurzer Zeit rezensiere. Und Ihr müsst jetzt ganz, ganz stark sein: Es werden bestimmt noch weitere folgen, da müsst Ihr wohl durch! 😉

Royce Buckingham bedient sich in seinem Buch massenhaft im 1×1 der Fantasy-Literatur: Man nehme eine fremde Welt, füge eine altbekannte „Gut-gegen-Böse“-Thematik ein, die vorzugsweise mit der Rettung ebendieser Welt endet, und multipliziere es mit einer heroischen Hauptfigur. Fertig ist „Der Wille des Königs“.  Das ist alles ganz gut und schön – nur mutig ist das nicht. Aber mal von vorne:

Ian Krytal zieht mit seiner Gruppe Klanskrieger durch den noch unbekannten Norden Abrogans. Die perfekte Voraussetzung, um eine schöne Geschichte über die Abenteuer zu erzählen, die sie unterwegs erleben. Genau das tut Buckingham auch, und das macht er auch ziemlich gut. Leider hält er sich stattdessen weniger mit der Beschreibung seiner Charaktere auf. Als da wären z.B.

Ian Krystal: Ein derartig kantenloser Protagonist ist mir schon länger nicht mehr untergekommen. Ich erwarte ja keinen soziopathischen Schlagetot, aber ein wenig unangepasster als Ian, ja, das wäre schon schön gewesen. Der Mann möchte immer alles richtig machen, und er macht das auch fast immer. Man multipliziere Robin Hood mit sich selbst und erhält Ian Krystal!

Petrich: Der Vetter von Ian Krystal ist der einzige Überlebende eines Angriffs auf seinen Klan und daher in Ians Klan aufgewachsen. Mit seiner schmächtigen Statur ist er eher wenig zum kämpfen geeignet und stellt so etwas wie den Gegenpart zum strahlenden Helden Ian dar: Von allen gemieden oder zumindest misstrauisch beäugt und dennoch stets bestrebt, ein Held zu werden… Puuuh…

König Schwarzwasser: Der „Bösewicht“ erinnerte mich immer irgendwie an den Sheriff von Nottingham…

Schade eigentlich, dass sich der Autor nicht mehr Zeit für die Entwicklung der Charaktere genommen hat. Das wiederum macht es dem Leser aber auch einfacher, wenn man sich in der zweiten Hälfte des Buches befindet. Dort nämlich dreht Mr. Buckingham mächtig an der Action-Schraube. Ein Kampf jagt den nächsten, ein ganzer Krieg bricht aus. Dass das nicht alle überleben, dürfte klar sein. Die lapidare Art und Weise, mit der der Autor Haupt- und Nebenfiguren in vier Zeilen mal eben ins Walhalla schreibt, war aber schon grenzwertig. (Markus Heitz konnte das in seiner „Zwerge“-Trilogie auch: Wahllos wurden beiläufig Haupt- und Nebenfiguren in Nebensätzen um die Ecke gebracht, alles was eine Sprechrolle hatte, schwebte fortan in permanenter latenter Todesgefahr. Ich dachte, diesen Fehler würde nach Heitz keiner mehr machen…) Da wiederum kommt mir als Leser aber die mangelnde Ausarbeitung der Charaktere zugute: Wen auch immer es traf – es war mir schlichtweg egal. Während ich bei George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ minutenlang konsterniert auf die Seite starren kann, weil Mr. Martin mal wieder eine liebgewonnene Hauptperson umbringt und ich jedesmal denke „Das kann er doch jetzt nicht machen!“, so dachte ich bei R. Buckingham maximal sowas wie: „Tja, Pech! Wärste halt mal schneller gelaufen!“

Trotz der vorgebrachten Kritik hat mich „Der Wille des Königs“ trotzdem gut unterhalten. Weil die Geschichte eben gut ist, weil Buckingham viele, kleine, abwechslungsreiche Einfälle hat. Und mehr als „hat mich gut unterhalten“ kann man von einem Fantasy-Roman wohl auch kaum erwarten.

Wertung: 7 von 10 möglichen Punkten

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2 Kommentare zu „Leichen pflastern seinen Weg – „Der Wille des Königs“ von Royce Buckingham

  1. Was heißt hier ganz, ganz stark sein? Ich bitte darum, dass hier weiterhin Rezensionen aus der Fantasy-Literatur erscheinen! Wo sonst kann man heutzutage mal den Kopf frei bekommen, wenn nicht in einer anderen Welt! Wenn da dann Zauberer, Vampire, Dämonen, Orks und Zwerge rumlaufen, soll es mir recht sein.

    Feuerfeder

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