Hohes Tempo und leere Seiten – „Inferno“ von Dan Brown

Buch: „Inferno“

Autor: Dan Brown

Verlag: Bastei Lübbe

Ausgabe: Taschenbuch, 685 Seiten

Der Autor: Dan Brown, Jahrgang 1964, sollte man nun wirklich nicht mehr vorstellen müssen. Seit seinem Debütroman „Diabolus“, spätestens aber seit der Erfindung der Hauptfigur Robert Langdon und den Romanen „Illuminati“, „Sakrileg“ und „Das verlorene Symbol“ ist Dan Brown bei der weltweiten Leserschaft so bekannt wie ein bunter Hund. Dabei ist, meiner bescheidenen Meinung nach, eigentlich sein Buch „Meteor“ aus dem Jahr 2001 sein bestes. Gelesen habe ich sie alle…

Das Buch: Robert Langdon, Professor für Kunstgeschichte und Symbolologie an der Universität von Harvard, erwacht verletzt in einem Krankenhaus. Er wähnt sich in Boston, doch entsetzt stellt er fest, dass sich das Krankenhaus in Florenz befindet und er sich an die zwei zurückliegenden Tage nicht erinnern kann…

Noch während Langdon versucht, sich in der Situation zurecht zu finden, betritt eine offensichtlich auf ihn angesetzte Killerin das Gebäude und erschießt einen Arzt. Langdon flieht zusammen mit seiner behandelnden Ärztin Sienna Brooks.

In Brooks Wohnung erfährt Langdon, dass er bei der Einlieferung ins Krankenhaus einen Faraday-Pointer, einen batterielosen Laserpointer, dabei hatte. Langdon richtet den Pointer auf die Wand, und dort erscheint ein Bild von Botticellis „Mappa dell´Inferno“, eines auf der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri basierenden Gemäldes. Dieses Gemälde wurde jedoch an einigen Stellen verändert.

Langdon ist in seinem Element. Er versucht, heraus zu bekommen, was ihm diese Änderungen sagen sollen. Und natürlich sein Gedächtnis wieder zu erlangen.  An der Seite von Sienna Brooks beginnt für ihn eine kunstgeschichtliche Schnitzeljagd die zu einem Wettlauf mit einem wahnsinnigen WIssenschaftler um den Fortbestand der Menschheit ausartet…

Fazit: Schaden macht nicht klug. Nur so kann ich mir erklären, warum ich mir „Inferno“ gekauft habe, obwohl ich Browns letztes Buch „Das verlorene Symbol“ ungefähr so spannend fand, wie eine Folge von „Deutschlands beste Bäcker“ im ZDF. Wer diese valiumähnlich wirkende Backwerk-Folter einmal gesehen hat, der weiß, was ich meine. Aber das ist ein anderes Thema…

Wider Erwarten fühlte ich mich aber von „Inferno“ gut unterhalten, auch wenn ich nicht gerade in Jubelstürme ausgebrochen bin. Wenn man seine bisherigen Bücher gelesen hat, dann ist Mr. Brown halt kaum noch in der Lage, seine Leser so wirklich zu überraschen. Er macht eben vieles wie immer:

Er schreibt kurze Kapitel, immerhin 104 Kapitel auf gut 680 Seiten. Zusätzlich dazu zieht die Handlung, die gerade mal einen einzigen Tag beschreibt, das Tempo ziemlich an. Brown hastet atemlos von einem Schauplatz zum nächsten. Langdon kommt dabei recht viel herum. Florenz, Venedig, Istanbul, in 24 Stunden. In gewohnter Weise klappert er dabei eine Sehenswürdigkeit nach der anderen ab und versucht, ein Geheimnis nach dem anderen zu entschlüsseln. Das alles erinnert schon sehr an „Sakrileg“ etc., aber wenn ich Dan Brown lese, erwarte ich mittlerweile auch genau das. Insofern macht er halt vieles wie bisher, aber nichts wirklich schlecht.

Ähnlich wie Frank Schätzing, so ist auch Dan Brown in der Lage, dem Leser zusätzliches Wissen zu vermitteln. Über die historischen Bauten Florenz´, Venedigs und Istanbuls, über Dante und seine „Göttliche Komödie“ oder auch über Genforschung und die Aussichten der Menschheit angesichts immer stärker werdender Überbevölkerung. (Sieht nicht gut aus, echt nicht…) Brown macht das nur etwas subtiler als Schätzing. Und auch wenn ich sicher bin, das meiste davon bald wieder vergessen zu haben (bis auf das mit der Überbevölkerung…), fand ich das schon ganz interessant.

Wer also in der Vergangenheit „Sakrileg“ etc gelesen hat, und wem die Brown-Bücher gefallen haben, der sollte sich auch „Inferno“ nicht entgehen lassen.

Abschließend muss ich aber unbedingt noch erwähnen, was mich an diesem Buch am meisten gestört hat:

Das Text-Layout!!! Das klingt erstmal harmlos, aaaaber… Irgendein findiger Layouter im Verlag hat sich gedacht, dass es doch hübsch wäre, wenn die Kapitel immer auf ungeraden Seiten, also rechts, begännen. Das wiederum führte dazu, dass man, wenn ein Kapitel auf einer ungeraden Seite endet, man dann die folgende gerade Seite leer gelassen hat. Ganz leer! Das wiederum führt dazu, dass dieses Buch mit angeblich über 680 Seiten, genau 53 leere Seiten enthält!!! Einfach nur leere Seiten!!! Ganz leer!!! So mit gar nix drauf halt!!! Ja, Ihr habt´s begriffen, ich weiß… Trotzdem, so etwas in einem Buch zu machen, dass sich im Plot mit Überbevölkerung, der daraus resultierenden Ressourcenknappheit, und den wiederum daraus resultierenden Folgen auseinandersetzt (wie gesagt, sieht nicht gut aus…), in so einem Buch kann man sowas nicht machen, finde ich. Das wirkt irgendwie zynisch.

Und bevor mich jemand fragt: Ja, ich habe die leeren Seiten gezählt! Keine Ahnung, wieso! 😉

Wertung: 7,5 von 10 möglichen Punkten

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Ein Kommentar zu „Hohes Tempo und leere Seiten – „Inferno“ von Dan Brown

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