„In der Tat“ – „Planetenwanderer“ von George R. R. Martin

Buch: „Planetenwanderer“

Autor: George R. R. Martin

Verlag: Heyne

Ausgabe: Broschiert, 511 Seiten

Der Autor: Es soll ja weltweit so sechs, sieben Personen geben, die George R. R. Martin noch nicht kennen. (Was bei mir auf völliges Unverständnis stößt 😉 )  Denen sei gesagt: George R. R. Martin wurde 1948 in Bayonne im amerikanischen Bundesstaat New Jersey geboren und betätigt sich als Schriftsteller, Drehbuchautor und Produzent. Martin begann bereits Anfang der 70er mit der Veröffentlichung von Science-Fiction-Geschichten. Dem deutschen Publikum ist er allerdings erst seit dem Erscheinen der (meiner Meinung nach) genialen Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ ein Begriff. „Das Lied von Eis und Feuer“ ist die Buchvorlage für die ebenso geniale Serie „Game of Thrones“, die unfassbarerweise beim aber mal gar nicht so genialen Fernsehsender RTL II zu sehen ist.

Das Buch: Haviland Tuf ist ein interplanetarer Händler, der mit seinem Raumschiff „Füllhorn der Exzellenten Güter und Niedrigen Preise“ von Planet zu Planet tingelt und auf diese Weise eigentlich ein bescheidenes Auskommen hat. Durch ein misslungenes Geschäft und dem damit verbundenen finanziellen Engpass sieht sich Tuf jedoch gezwungen, entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, Passagiere zu befördern. Diese Passagiere sind auf der Suche nach einem sogenannten „Saatschiff“, einem mit allen nur denkbaren Gerätschaften der Gentechnik ausgestattetem Raumschiff einer längst untergegangenen Flotte. Letztlich wird Tuf jedoch selbst Eigentümer dieses Saatschiffs und beginnt eine Karriere als Ökoingenieur, um Menschen zu helfen, deren Heimat auf ein ökologisches Desaster zusteuert – natürlich gegen Bezahlung.

Fazit: Wenn einem Schriftsteller mit einem Buch, oder, wie im Falle von George R. R. Martin, einer Buchreihe, der internationale Durchbruch gelingt, dann neigen Verlage dazu, in der Folge alles auf den Markt zu werfen, was der Autor bzw. die Autorin jemals geschrieben hat. Dann ist als Leser Vorsicht geboten. Denn wenn diese Bücher qualitativ mit den neueren Werken mithalten könnten, wäre dem Autoren oder der Autorin eben schon früher besagter Durchbruch gelungen, oder…!?Daher war ich auch angemessen skeptisch, als ich zu „Planetenwanderer“ gegriffen habe, das George R. R. Martin bereits 1986 geschrieben hat. Aber hey, es stand ja George R. R. Martin drauf, letztlich Grund genug, einfach zuzugreifen. Ein Fehler? Ein klares, definitives jein.
Der Einstieg in das Buch fiel mir dann jedoch alles andere als leicht. Auf den ersten 150 Seiten beschäftigen sich Tufs Passagiere damit (ohne damit zuviel zu verraten), sich gegenseitig zu eliminieren. Das las sich ein wenig wie „Alien“ für Arme. Und das hatte ich so auch nicht erwartet. Dann jedoch bekommt Mr. Martin in beeindruckender Weise die Kurve. Haviland Tuf reist nun von Planet zu Planet, immer auf der Suche nach einer ökologischen Katastrophe, die es zu beseitigen gilt. Dabei kommt Tuf auch immer wieder am Planeten S´uthlam vorbei, deren Bewohner einfach nicht einsehen wollen, dass sie, äähm, zuviel, und zu oft, äähm, also sie,…, sie sind eben sehr zeugungsfreudig und steuern dadurch permanent auf eine drohende Hungersnot zu. Nur leider wird den S´uthlamesen von ihrer Kirche gesagt, dass eben genau dieser Lebenswandel der richtige sei. Und eine Religion kann man halt eben nicht einfach so ändern, oder…!?
Immer wenn George R. R. Martin solche Themen aufgreift, sei es Überbevölkerung, Ressourcenarmut, Auswirkungen der Eingriffe des Menschen in ein ökologisches System, Freiheit des Einzelnen, Religion, und noch vieles andere, dann bekommt „Der Planetenwanderer“ einen leicht philosophischen Einschlag mit dezent erhobenem Zeigefinger – das fand ich wirklich gut.
Damit dem Leser das Ganze dann aber nicht zu schwer im Magen liegt, hat uns George R. R. Martin seine Hauptfigur Haviland Tuf geschenkt. Prägnanter kann ein Protagonist kaum sein: Etwa 2,5 Meter groß, kalkweiße Haut, imposantes Wohlstandsbäuchlein, gestelzte Ausdrucksweise mit ständiger Verwendung der Floskel „In der Tat“ und ein intensives Verhältnis zu Katzen. Das alles entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wenn man sich die äußeren Merkmale mal wegdenkt, fühlte ich mich an Sheldon Cooper aus „The big bang theory“ erinnert. Sowohl was die Ausdrucksweise angeht, als auch die Abneigung gegen solche Dinge wie anfassen oder gar Hände schütteln. Eine solche Figur kann man mögen, muss man aber nicht. Ich mag Haviland Tuf. Und daher mochte ich letztlich auch das Buch ganz gerne. Dennoch: Wenn es eine Fortsetzung gäbe, würde Haviland ohne mich weiter durch die Galaxis reisen. Ich beschäftige mich dann in Zukunft lieber wieder mit den Büchern 6 – 10 von „Das Lied von Eis und Feuer“!

Wertung: 7 von 10 möglichen Punkten

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