Abgesoffen? – „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch

Buch: Die Flüsse von London

Autor: Ben Aaronovitch

Verlag: dtv

Ausgabe: Taschenbuch, 478 Seiten

Der Autor: Ben Aaronovitch, Jahrgang 1964, ist ein englischer Drehbuchautor und Schriftsteller und war mir bis dato gänzlich unbekannt. Aaronovitch verfasste bereits mehrere Bücher über den Londoner Constable Peter Grant, „Die Flüsse von London“ ist das erste dieser Reihe.

Das Buch: Im Mittelpunkt der Handlung steht der Police Constable Peter Grant, der aufgrund seiner überschaubaren beruflichen Fähigkeiten nach seiner Ausbildung eigentlich für einen Schreibtischjob vorgesehen ist. Bei einem seiner Einsätze führt er ein Gespräch mit einem vermeintlichen Zeugen, der sich letzlich als Geist herausstellt. Entgegen der ursprünglich geplanten Schreibtischtätigkeit wird Grant daraufhin zu Detective Chief Inspector Thomas Nightingale in die weitere Ausbildung geschickt. Nightingale ist Magier und einziges Mitglied einer Organisationseinheit der Londoner Polizei, die sich mit Magie und allen möglichen übernatürlichen Wesen, von Geistern bis Vampiren befasst. Grant wird eine Art Zauberlehrling…

Fazit: Von dem Augenblick als die Buchhändlerin meines Vertrauens mir „Die Flüsse von London“ in die Hand drückte und sowas sagte wie: „Wenn Sie das noch nicht kennen, dann MÜSSEN Sie das lesen, das ist lustig!“ bis zu dem Moment, in dem ich diese Rezension schreibe, warf das Buch Fragen auf:

Soll ich das Buch wirklich kaufen?

Wenn ja, soll ich es wirklich lesen? Schließlich tauchen in der Inhaltsangabe Vampire auf und in einem kurzen Statement von Diana Gabaldon fällt der Name „Harry Potter“. Vampire, Diana Gabaldon, Harry Potter, eigentlich für mich drei absolute Ausschlusskriterien für ein Buch…

Sollte ich das Verhältnis zu meiner Buchhändlerin nochmal überdenken, vielleicht mag die mich gar nicht…?

Und schließlich: Wie schreibe ich darüber nur eine Rezension???

Es ist wirklich nicht einfach, auf dieses Buch und seinen Inhalt einzugehen, ohne den Eindruck zu erwecken, man hätte einen Sprung in der Schüssel. Oder gar keine Schüssel mehr… Zu ausgefallen erscheinen die Ideen des Autors. Also fange ich der Einfachheit halber mal mit den positiven Aspekten an:

Das Buch macht zu Beginn (so auf den ersten 100 Seiten) wirklich richtig Freude. Aaronovitch schreibt locker und launig und sorgte bei mir doch tatsächlich für den ein oder anderen Lacher. Sein Protagonist Peter Grant macht einen äußerst symphatischen Eindruck und vermittelt das – wenn auch klischeehafte – Bild des leicht schusseligen Helden. Auch die anderen Hauptpersonen kamen bei mir gut an. Inhaltlich flacht der Spannungsbogen mit zunehmender Dauer dann aber deutlich ab, der Autor beschäftigt sich mit einer eigentlich völlig überflüssigen Nebenhandlung, die überhaupt nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun hat. Gut, deshalb ist es ja auch eine NEBENhandlung. Dennoch…

In dieser Nebenhandlung führt Grant ausführliche Gespräche mit den – nicht ganz – menschlichen Manifestationen der durch London fließenden Flüsse, um einen Grenzkonflikt zwischen Vater Themse und Mutter Themse zu lösen…(Solche Passagen meine ich mit „Sprung in der Schüssel“…) Was das soll, hat sich mir nicht erschlossen. Mit minimalen Änderungen im Rest des Buches hätte man diesen Teil auch komplett weg lassen können, ohne dass ich irgendwas vermisst hätte. Die eigentliche Rahmenhandlung – die Jagd auf einen scheinbar willkürlich mordenden Geist – liefert an sich ja eigentlich genug Potenzial.

Der Autor aber verzettelt sich und schweift immer wieder ab, um weiteres seltsames Zeug über die Flüsse zu erzählen. Im Mittelteil des Buches fiel es mir daher zugegeben manchmal schwer, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Gegen Ende des Buches steigert sich Aaronovitch allerdings wieder und führt die Geschichte zu einem passablen Ende. Die Tatsache, dass dieses Buch ein ausreichend großer Erfolg war, um bereits mehrere Nachfolgebände zu veröffentlichen, legt vielleicht auch den Schluss nahe, dass „Die Flüsse von London“ über versteckte Qualitäten verfügt, die sich mir einfach nicht erschlossen haben. Wer weiß? Jedenfalls ließ mich „Die Flüsse von London“ mit einer Menge Fragen à la „Was will mir der Autor damit sagen?“ und dem tief empfundenen Wunsch zurück, endlich mal wieder ein richtig gutes Buch zu lesen!

Wertung: 6 von 10 möglichen Punkten

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