Strike three – „Home run“ von John Grisham

Buch: „Home run“

Autor: John Grisham

Verlag: Heyne

Ausgabe: Taschenbuch, 269 Seiten

Der Autor:

John Grisham, Jahrgang 1955, ist sicherlich jedem, der sich für Bücher interessiert, ein Begriff. Mr. Grisham machte sich Anfang der 90er einen Namen als Autor diverser Justizromane („Die Akte, „Die Jury“, „Die Firma“ usw.) und die Auflage seiner Bücher hat mittlerweile mehrere Hundert Millionen Exemplare erreicht.

Das Buch:

„Home run“ ist die Geschichte von Joe Castle, einem jungen, aufstrebenden Baseballspieler der Chicago Cubs, der zu Beginn seiner Karriere 1973 einen Rekord nach dem anderen bricht. Bis er auf den langsam in die Jahre kommenden, alkoholkranken und gewaltätigen Warren Tracey trifft, Pitcher der New York Mets. Mit einem absichtlichen „Beanball“ trifft Tracey den jungen Castle, verletzt ihn schwer und beendet die verheißungsvolle Sportlerkarriere noch bevor sie richtig begonnen hat. 30 Jahre später liegt Tracey im Sterben und sein Sohn Paul drängt ihn, die Geschichte von damals aufzuarbeiten…

Fazit:

Grisham erzählt die Geschichte um Joe Castle aus der Sicht von Paul Tracey und in gewohnt flüssiger Weise. Dabei bekommt der Leser intensive Einblicke ins Familienleben der Traceys und Paul verdeutlicht anschaulich, warum die Personen so handeln wie sie handeln. Die Charaktere sind detailliert beschrieben, man leidet mit Joe mit und entwickelt eine leidenschaftliche Abneigung gegen Warren. Alles gut also? Nun ja, fast…

Das Buch hat meiner Meinung nach nur zwei Schwächen, dafür aber größere. Auf gerade mal 240 Seiten kann es auch Grisham nicht gelingen, eine Story zu entwickeln, die in irgendeiner Weise Überraschungen beinhaltet. Alles bewegt sich strikt auf ein typisches „Alle-haben-sich-lieb-Ende“ zu. Dabei hätte die Geschichte eines Mannes (Warren Tracey), der im Angesicht des nahenden Todes sein Leben überdenkt und versucht, begangenes Unrecht wieder gut zu machen, durchaus Potenzial, auch wenn sie ingesamt nicht neu wäre. Ich denke aber, Grisham hatte selbst gar nicht den Anspruch, einen vielschichtigen, wendungsreichen Roman zu schreiben. Er wollte einfach eine kurze Sport-Story erzählen. Und wenn man das berücksichtigt, dann kann man mit dem Buch durchaus einen oder zwei vergnügliche Abende verbringen.

Doch da ist ja noch die zweite Schwäche: Bücher über Baseball haben es auf dem deutschen Markt naturgemäß (leider) etwas schwer. Zu schwierig erscheint dem Laien häufig das umfassende Regelwerk. Diese Problematik wurde auch Grisham bewusst. Daher hat er im Nachwort eine ca. 25-seitige wirklich großartig geschriebene Einführung in den Baseballsport gegeben, in der viele Fachbegriffe erklärt werden. Ich bin dennoch nicht davon überzeugt, dass ein Laie, auch nach der Lektüre dieser Einleitung, in der Lage wäre, den zahlreich vorkommenden Spielschilderungen zu folgen. Vielleicht würde er auch einfach entnervt weiterblättern.

Wer sich jedoch nicht daran stört, dass er den einen oder anderen Fachbegriff nicht versteht und nur ein kurzes Buch für zwischendurch sucht, mit dem man storytechnisch sicherlich nicht überfordert wird, der kann ohne Bedenken zugreifen. Und wer sich mit Baseball auskennt, der erst recht. Ich zum Beispiel habe die Schilderung der Spielszenen geliebt!

Abschließend gilt: Wer ein Buch über den – meiner bescheidenen Meinung nach – großartigsten Sport der Welt schreibt, der muss es entweder richtig machen oder sollte es lieber gleich lassen. John Grisham macht glücklicherweise vieles richtig.

Wertung:

7 von möglichen 10 Punkten

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2 Kommentare zu „Strike three – „Home run“ von John Grisham

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